Seinen richtigen Namen hatte er schon vor Jahren abgelegt, niemand brauchte ihn zu wissen. Irgendwer, irgendwann einmal, hatte ihn „Sucher genannt und er war bei dieser Bezeichnung geblieben. Dieser Name war seine Profession, seine Mission, es gefiel ihm.

Er lief durch die Wälder von Kirberg. Die Nachricht, dass es ein Massaker an einer der Grenzen gegeben hatte und es Gefangene gäbe, hatte ihn sofort losrennen lassen. Niemand im Bärenclan hielt ihn in solchen Situationen auf. Früher, hatte er den einen oder anderen Kampf im Kreis, wenn seine Vorgesetzen ihn stoppen wollten. Doch die Siege und seine Verbissenheit in diesen Kämpfen hatte allen eines besseren gelehrt. Oft war er sogar noch vor der „Tatze an den Zielorten. Die Eingreiftruppe war schnell, sehr schnell. Doch sein innerer Zwang bewirkte Kräfte mit denen auch diese Krieger nicht mithalten konnten.

Das Gefühl etwas, jemanden finden zu müssen, hatte sein ganzes Leben bestimmt. Er wusste nicht warum, aber es war immer da gewesen. Ihn seiner Ausbildungszeit hatte er einen gewissen Ruf, der neugierigste alle Anwärter zu sein. Er wollte nur wissen, mehr über alles erfahren, Etwas finden. Nur was? Er wusste es nicht.

Augen waren wichtig für ihn, er hoffte immer etwas zu erkennen. Er sah zwar die unterschiedlichsten Gefühle und konnte manchmal bis in die Seele eines Wesens schauen. Doch seine Hoffung etwas Bekanntes zu erkennen, hatte sich noch nie erfüllt.

Während er lief, dachte er an den kleinen Hof auf dem er aufgewachsen war. Er erinnerte sich nur daran, dass es eine riesige Scheune gab und er dort mit Tieren spielte.

 

 

„ Kolan Parin, Farumor! Wo hast du schon wieder gesteckt?
Der kleine Junge schaute mit großen Augen, seine Mutter an. Sein Körper sah momentan aus wie eine Vogelscheuche in Miniformat aus. Überall hing Stroh. In den Haaren, in den Kleidern, einfach überall.

Er zeigte auf die Scheune. „MAUS!
Seine Mutter konnte sich kaum das Lachen verbeißen.
„Junger Mann! Ja, dort gibt es Mäuse.
KOLAN schüttelte mit dem Kopf.
„MAUS!
„und für die Müs is die Katz zuständig und nicht du!
 Der Kleine nahm die Hand seiner Mutter und zog sie in Richtung der Scheune.
 „KUCK!
 So gingen beide zum Strohlager. Dort angekommen, zeigte der auf ein kleines Loch. Es hatte den Umfang des Jungen. Dort war er also reingeklettert.
 „Ah, du hast ein Nest entdeckt? KOLAN nickte eifrig.
 „MAUS!MAUS!
„nun, das ist ja wirklich schön, aber die lassen wir jetzt in Ruhe. Baden ist angesagt!

 

Pferdegeklapper war plötzlich zu hören. Die Mutter drehte sich um. Ihre Augen weiteten sich. „Bär, Hilf. In der Ferne sah sie eine Truppe unbekannter Krieger. Ihre Gesichter waren vermummt und eine schwarze Wolke schien sie zu begleiten. Sie drehte sich zu ihrem Sprössling um. „Nun, vielleicht sollten wir noch was spielen? Der Kleine nickte freudig.
„Gut, du versteckst dich und ich muss dich suchen Schon kroch KOLAN in sein Loch.

Mit schnellen Schritten verließ Raja die Scheune und verschloss hinter sich das Tor. Dann lief sie zum Haus.
"Cojo!! Rasgir TAMAR! JETZT!
 Im Haus griff sie sich sofort Rüstung, Schwert und Schild. Beide gerufenen stürmten ebenfalls hinein.
„Was ist los? Es war ihr Mann Cojo.
„Reiter! Vermummt und irgendwas mächtig magisches, auf direktem Weg zu uns.
„Wo ist KOLAN?
 „Spielt verstecken.
Cojo grinste. Seinen Sohnemann würde für die nächsten Stunden niemand finden. Während er sich eilig anzog, sprach er seine Gedanken laut aus.
„Drei gegen wie viele? „Zu viele circa 15-20 Reiter.
„Rasgier! Hast du noch deine Armbrust? Der Knecht nickte.
„ Gut! Du musst das Pferd des ersten Reiters erwischen, falls es losgeht!!
Plötzlich wurde das Zimmer dunkel und das Pferdegewieher war ziemlich nah.
„Drakscheiße!! Die können doch noch nicht hier sein!.
Doch ein Blick aus dem Fenster verriet, der Vorhof war gefüllt mit maskierten Kriegern.

Eine Stimme mit einem sehr kräftigen Bass, erfüllte plötzlich den Raum.
„Menschen! Ich habe Euch einen Handel vorzuschlagen! Kommt raus!
Alle drei schauten sich verwirrt an. Cojo zuckte nur mit den Schultern und überprüfte noch einmal seine Rüstung.
„Nun, dann wollen wir mal rausgehen und fragen, was der nette Herr will!
Seine Frau nickte verbissen.

Das Sonnenlicht war verschwunden und eine unnatürliche Stille hing über dem Hof. Selbst die Pferde gaben keinen Laut mehr von sich. Die Reiter hatten sich in Zweierreihe postiert und in ihrem Rücken, saß ein merkwürdig geformtes Wesen auf einem riesigen Gaul.

Raja übernahm das Wort.
„Ich bin Raja Fenja Solja vom Bärenclan, Bärenclankriegerin! Mit wem habe ich die Ehre?.

Wieder sprach das Wesen, doch diesmal war die Stimme nur in ihren Köpfen.
„Hier mein Vorschlag, Raja vom Bärenclan. Du begleitest mich, dafür bleiben diese unwürdigen Menschen am Leben!
Sie blickte sich kurz zu Cojo um, der schüttelte nur mit dem Kopf. Ihr Blick schweifte über die Reiter, bei einem tropfte etwas wirklich widerwärtiges an seiner Schulter entlang.
„Wirklich nettes Angebot, aber ich habe heute schon was vor. Also bitte verzieht Euch nun.

Genau in diesem Moment sah Cojo, wie sich etwas hinter seiner Frau materialisierte.
 „Raja! Hinter dir!
Nahezu synchron zogen er und Raja ihre Schwerter, drehten sie und versenkten sie jeweils in den rückwirkenden Gegner. Zeitgleich zogen sie die Schwerter raus. Eine Drehung und die zusammengekrümmten Wesen hatten keine Köpfe mehr. Rasgir hatte sich sofort zur Seite geworfen und im Fall seine Armbrust abgeschossen. Sein Pfeil steckte in der Stirn des Anführers. Das Wesen stieß erst einen nichtmenschlichen Schrei aus, doch dieser Schrei verwandelte sich langsam in Lachen!.

 

KOLAN fand verstecken spielen ganz toll. Hier im Stroh würde ihn niemand finden. So wollte er sich durch einige Gänge. Nach kurzer Zeit, hatte er auch das Mäusenest gefunden. Doch Muttermaus schien von dem Jungen nicht sehr angetan zu sein und gab ein ziemliches Fauchen von sich. Nun, wenn „MAUS! nicht mit ihm spielen wollte, dann eben nicht. Hier im Stroh gab es schließlich noch genug zu entdecken. KOLAN vernahm eine tiefe Stimme. Er verstand die Worte nicht, aber das weckte sofort seine Neugierde. Also zurück. Es dauerte eine Zeit bis er an wieder an seinem Eingang war.

Mittlerweile tobte der Kampf. Die Reiter waren nicht von ihren Pferden abgestiegen, sondern erschienen einfach rundum die drei Kirberger. Um jeden der Krieger waren nunmehr drei Gegner. Raja und Cojo kämpften, als ob sie beide nur einen Körper besäßen, jeder Angriff, jede Finte und jeden Treffer führten beide zeitgleich aus. Es war, wie ein gemeinsamer Tanz, ein totbringender Tanz. Doch für jeden gefallenen Feind erschien ein Neuer. Nachdem bei beiden wieder ein Angreifer den Tod fand, trafen sich ihre Augen. Beide liefen aufeinander zu. Raja sprang ihrem Mann entgegen und Cojo hechtet unter Ihr durch. Beide nutzen den Schwung und versenkten Schwerter in die Vermummten.

KOLAN hatte sich endlich durchgewühlt und trottete zu dem großen Tor. Ein merkwürdiges Gefühl umgab ihn. Jetzt nichts wie zu Mama. Bei ihr war ja immer alles sicher. Er versuchte das Tor zu öffnen, doch es war verschlossen. Er hörte den Lärm und wollte wissen, was da los sei. Hier war doch irgendwo ein Loch gewesen?

Der Stellungswechsel der beiden Krieger sorgte für einen kurzen Moment für Irritation. Zwei weitere Vermummte, hauchten ihr Leben aus. Das Wesen mit der tiefen Stimme schüttelte kurz mit dem Kopf, dann schnippte es mit den Fingern. Cojo und Rasgier hatten nun plötzlich sechs Gegner.

 
Der Kleine hatte endlich das Loch entdeckt und spickte hindurch. Er sah den Kampf und überlegte, ob er schmollen sollte. Da spielten alle mit Waffen und er war nicht dabei. Er blickte zu seinem Vater und sah wie dieser von drei Schwertern gleichzeitig durchbohrt wurde.

 

Raja war im Kampfrausch. Ihre gesamte Wahrnehmung umfasste sämtliche Gegner. Nummer Eins humpelte leicht, der Zweite war noch frisch. Drei und vier führten die Schwerter mit der linken Hand und ließen Ihre Deckung  frei. Ihre Möglichkeit!

Doch plötzlich zeriss etwas, tief in ihrem Herzen. Das vertraute Gefühl, das Cojo neben ihr stand. Das er existierte. Sie brauchte sich nicht umzudrehen, ihr geliebter Mann war gefallen. Ihre Seele spürten den ausgeführten Todesstoß. Ihr Geist schrie, sie schrie und der Bärserker kam. Fast mit magischer Geschwindigkeit erledigte sie sich zweier Gegner. Ihr ganzer Körper wurde zu einer einzigen Waffe. Ihre Füße brachen Knochen, der Rand ihres Schildes köpfte beinah einen Feind. Ihr Schwert tötete mit nicht enden wollender Effizients.

Der junge Bär empfing ein nicht gekanntes Gefühl. Gefahr! Instinktiv erfasste er, dass es jetzt nicht gut war, die Scheune zu verlassen. Mit großen Augen sah er weiter durch das Loch, das stimmte etwas nicht und ein sehr beängstigendes Gefühl der Leere umgab ihn.

Raja war mittlerweile blutüberströmt, ihr Blut mischte sich mit dem Blut ihrer Gegner. Sie wirbelte umher und suchte nach dem nächsten. Sie stürmte auf den Anführer und prallte gegen eine Wand.

„Nun, hast du deinen Spaß gehabt und ich den meinen! Ja, du bist die richtige.
Die Kriegerin sprang auf, sah sich um. Überall verteilt erblickte sich nur Leichen. Der abgetrennte Kopf Cojo´s starrte sie mit leeren Augen an. Die Raserei bewirkte, dass sie wieder gegen die Wand lief.
„Nun, genug!

 Raja spürte, dass ein magischer Angriff bevorstand. Klarheit breitete sich in ihren Gedanken aus. Sie wendete sich von dem Reiter ab, blickte einmal über den Hof und zur Scheune.

Was machte Mama bloß da mit diesem Mann auf dem Päd? KOLAN lugte weiter und beide Blicke trafen sich.

Sie ließ ihr Schwert und Schild fallen. Tränen füllten Ihre Augen. Dann traf sie auch schon der Versteinerungszauber.

Warum Mama so traurig schaute verstand der Kleine nicht. Tief in seinem Inneren fühlte er deutlich, dass hier was so überhaupt nicht stimmt. Dieser Mann griff sich seine Mutter mit einem Arm und ritt davon. KOLAN schaute den sich entfernenden hinterher. Eine Windböe ergriff die Kapuze des Reiters, er drehte sich kurz um. Selbst aus der Ferne konnte KOLAN deutlich die merkwürdigen Augen des Wesens erkennen.

Der kleine Bär wollte nur noch zu seiner Mutter. Im hinteren Teil des Schuppens fehlte eine Holzplanke durch diese Öffnung kam er auf jeden Fall raus. Endlich am Vorhof angekommen, wackelte er über die Leichen. „KOLAN du lebst? Bär sei Dank! Rasgier gurgelte es hinaus. Er lag auf dem Boden und das Blut floss aus vielen Wunden, auch ein Arm fehlte ihm. „Komm her Kleiner! Der Knecht lag neben dem Leichnam von Cojo, dessen Kopf ein kleines Stück daneben lag. „MAMA? MANN? Rasgir spürte, dass Gevatter Tod sehr nah war. Er schaute zu dem vierjährigen. Nein, er durfte nicht sterben, der Sohn Raja´s würde hier fern von Kirberg nicht überleben. Das durfte nicht sein. Rasgir konzentrierte sich auf seine Wunden. Langsam stoppten die Blutungen. „Lauf und hol mir ....... , Geh ins Haus und hol mir was zu Trinken.
„Beutel?
„Ja! Hol mir Beutel. Schon stampfte KOLAN los.

Rasgir mühte sich hoch. Ein Unangehmehr Teil stand ihm noch bevor. Seine Schulter blutete immer noch. Mühsam humpelte er auf einen Fackelständer zu. Er zog sein Messer und steckte sich den Griff quer in den Mund. Dann packte er sich eine Fackel und hielt sie in den dafür bereitstehenden Gluttopf. 

Selbst den hartgesottensten Krieger der Tatze, stockte das Herz, als sie auf dem Hof ankamen. Die verteilten Körperteile und der Verwesungsgeruch war für die kampferprobten Kämpfer nichts ungewöhnliches. Doch mitten in drin, sass ein kleiner Junge und schaute unentweckt in die Augen eines abgetrennten Kopfes.

 

 

Sucher war an seinem Ziel angekommen. Er lief durch das kleine Dorf und erblickte auch schon eine Reihe von Bauern, die um einen gefesselten Ork standen. Die Ankunft eines Bärenkriegers bewirkte, dass die Menge sich teilte.

Anscheinend ein Sprecher ging direkt auf ihn zu. „Wie? Nur ein Mann? Sucher ignorierte die Bemerkung, mit einer ziemlichen Schärfe im Tonfall sprach er den Mann an.

„Berichte!
„Diese Lumpen haben den Hof von Runur überfallen und haben zwei unserer Dorfbewohner getötet
„Zweifelsfrei?
„Natürlich, wir waren ja alle da und wollten gemeinsam das Haus reparieren. Die restlichen haben es nicht überlebt, von diesem Pack.

Sucher ging ohne ein weiteres Wort auf den gefesselten Ork zu. Seine Augen suchten die Augen des Orks. Er sah den Hass und das dieses Wesen nicht das erste Mal getötet hatte.

Der Bärenkrieger drehte sich wieder zu dem Sprecher um.
„Dieser Ork hat Zweifelsfrei einen der unsrigen umgebracht?.
„Der –unsrige- hieß Falir und ich sah meine Cousin durch das Schwert dieses Schweins sterben!.

Sucher wendete sich um und sein Messer glitt an der Kehle des Orks entlang. Blut spritze umher und die Umherstehenden sprangen, zum Teil entsetzt nach hinten.

Zeitgleich erscholl aus dem Hintergrund das Geschäpper von laufenden Kriegern. Sie bahnten sich einen Weg durch die Menge.

Ein sehr groß gewachsener Krieger schaute sich um, bemerkte den toten Ork und dann den anwesenden Bärenkrieger.

„Sucher! Verdammt, das ist unsere Sache!
Der Angesprochene ging an der Seite des Kriegers vorbei. Ein böses Lächeln umspielte seine Lippen. „Fuss, du kannst mich ja zum Kreis fordern. Du kennst mein Angebot!

Für einen sehr kurzen Moment flackerte eine Art Entsetzen in den Augen des Fuss auf. Sucher begab sich zum Dorfende. Er hörte noch einen jungen Krieger meckern. Ein Schlag beendete die Tirade. „Anwärter! Wenn du jemanden forderst, solltest du wissen gegen wen. Niemand von uns hat je erlebt, dass Sucher bis auf´s erste Blut kämpft. Seine Kreisgegner sind alle Tot!

Sucher ging in einen Laufschritt und lächelte. Es stimmte nicht ganz,  Er hatte nur zwei getötet, zwei Krieger aus der Tatze. Er hatte gesehen, wie sie im Kampf bestialischen Spaß daran hatten, ihr Gegner zu erst zu quälen und dann auf sadistische Art und Weise zu töten. Er hatte bei beiden dafür gesorgt, dass sie aus einem nichtigen Grund ihn zum Kreis forderten. In ihrer Überheblichkeit hatten sie es angenommen bis auf den Tod zu kämpfen.

Seit dem hatte er diesen Ruf und seit dem hatte ihn auch niemand mehr gefordert. Der Wind zerzauste sein langes offenes Haar. Er musste wieder zurück nach Kirberg. Eine Art Karawane hatte sich angekündigt. Er wollte unbedingt wissen, wer diese Menschen waren.