Der Familienverband der Sedanis traf sich, wie üblich zum monatlichen Essen, im Hause des Familienoberhaupts. Es war eine der vielen Regeln, die den familiären Halt aufrecht erhielt
und nur jene die Aufträge erfüllten fehlten an diesen Abenden.

Der große Speisesaal war gefüllt mit jung und alt. Die Kinder spielten, die Jüngeren gaben mit ihren
neuesten Abenteuern an, die Älteren diskutieren die neuesten Gerüchte um die Drakinvasion.
Es herrschte eine ausgesprochen freundliche Stimmung.

Za´Dok hingegen betrat den Raum missmutig. Er ahnte, dass die Neuigkeiten um seine Person schon
die Runde gemacht hatten und Spott und Sticheleien noch das harmloseste war, was er sich anhören durfte.

Wie es sich gehörte, ging er zuerst zum Familienoberhaupt Anada und begrüsste
diese auf traditionelle Art und Weise. Anada war unfassbare 95 Jahre alt.
Sie hatte schlohweisse Haare und viele Narben im Gesicht.
Anada sass wie immer auf ihrem angestammten Platz, mittig am Tisch.
Ihre Augen trafen sich und wie immer zuckte Za´Dok ein wenig zusammen.
Die pure Dominanz ihrer Person bewirkte, bei jedermann, sofortige Respektsbezeugungen.

"Za´Dok mein liebster Urenkel. Es freut mich zu hören, dass du sicher aus Harpstedt zurückgekommen bist und wie ich sehe, hast du auch keine Blessuren mit zurückgebracht."

Das Wissen um seine Reise, beinhaltete auch das Wissen um seine Verlobung. Es war zu ärgerlich.
Gerade als er antworten wollte, bekam er einen freundschaftlichen Klaps auf den Rücken. Der stämmige Bull´Dok unterbrach ihn.

"Brüderchen, was höre ich denn da über dich? Also wirklich, wir alle speisen zwischendurch mal außer Haus, aber nur weil es woanders schmeckt, verschmäht man doch nicht die gute heimische Kost!"

Bull´Doks tiefe Stimme und Lautstärke bewirkte prompt, dass sich einige
Augen auf die Drei konzentrierten.

Bevor er reagieren konnte krächzte auch schon Pedor.
"Ja! Bul´ hat Recht. Sich einen ausländischen Koch ins Haus zu holen ist nicht gut. Die würzen so merkwürdig und manch einer in der Familie verträgt das Essen auf Dauer nicht, oder mag es auch einfach nicht."

Verklausierte Gespräche waren nicht Za´Doks Art, außerdem konnte er bei diesem Beispiel nun schlecht anführen, dass er noch nicht einmal probiert hätte.

Mool die Frau des Stämmigen stieß auch noch dazu und verpasse ihren Mann einen sehr kräftigen Schlag auf den tätowierten Hinterkopf.

"Männe! Liebe geht durch den Magen, der Za´Dok weiß schon, wo es das beste
Essen gibt!
"

Bull´Dok´s Stimme nahm einen bösartigen stichelnden Ton an.

"Ich sag ja nicht, dass er nicht mal nen kleines edles Hühnchen vernaschen soll. Aber deswegen muss ein Krieger nicht gleich zum Hühnerbauern werden!
Außerdem kommt bei den Hochgezüchteten Viechern nie was Vernünftiges heraus.
Da kann der Hahn noch so gut sein."


Za´Dok ging einen Schritt vor und die beiden gleichgroßen Brüder standen mit
funkelnden Augen voreinander.

"Bull! Der Tradition wurde Rechung getragen....... Aber ich glaube dein
Backenzahn ist locker, ich helf´ dir gerne......"
"Ich glaube nicht... Za!
"


Wie aufgrund eines stummen Befehls, gingen alle auseinander und bildeten
schnell einen Kreis.
Nur Agor, der Großvater der beiden, bewegte sich nicht und sprach:

"Ihr sollt nicht spielen, sondern reden! ZA`DOK! Ist es wahr, dass die
Rituale befolgt wurden?"


Dieser ließ seinen Bruder nicht aus den Augen und nickte nur.

"Keine Clanerin! Nicht aus Kirberg! Adlig?" Letzteres kam aus dem alten Mund wie ein Fluch und ersteres klang wie etwas sehr unanständiges.Wiederum konnte er nur nicken.

"Gemäß der Sitten können wir dir es nicht verbieten. Jedoch......wir Sedanis verlangen,
dass sie geprüft wird! Stimmst du dem zu Za´Dok Bärenclankrieger
?"

Oh, er kannte die Traditionen und er liebte seine Familie.
Es gab keine Möglichkeit zu widersprechen. Es blieb ihm nur eine Reaktion. Wieder nickte er.

Langsam bewegte sich Agor an die Seite.
"Schön, das ist geklärt mein Enkel und nun amüsiert Euch."

Schon stürzten die zwei aufeinander. Die Forderung war schließlich
ausgesprochen worden. Der Tradition folgend wurde untereinander im Haus
der Sedanis niemals mit Waffen gekämpft.

Der blanke Kopf von Bull´Dok rammte sich in die Magengegend von Za.
Schnaufend enliess er die Luft und schlug mit beiden Händen auf Nierenhöhe.
Der Glatzköpfige hob schnell seinen Schädel, um Za´Doks Kinn zu erwischen.
Doch dieser wich aus und verpasste mit seiner Stirn einen kräftigen Schlag auf die Nase.
Bull´Dok taumelte zurück.
Seinen Vorteil nutzend ging Za in den Angriff, doch Bull hatte seine Schritte nach hinten nur angetäuscht.
Seine Faust landete mitten auf dem Kinn. Jetzt sah der rothaarige Krieger Sterne.
Seine Augen verdrehten sich und er ging gerade auf die Knie. Seines Sieges sicher, positionierte sich Bull direkt vor dem Krieger um den finalen Schlag auszuführen.

"Brüderchen, der Zahn ist nicht locker!"

Za´Doks linke Faust landete in dessen Weichteilen. Ein lautes Stöhnen kam von Bull, als auch vom Publikum. Während Bull ebenfalls runter auf die Knie sank, bewegte sich auch schon Za'Doks rechte Faust in gerader
Richtung und traf zielgenau auf´s Kinn.

Der Kampf war beendet. Za atmete einmal durch. In nächster Zeit dürfte es
erstmal keine Diskussionen mehr über seine Verlobte geben.

Hört Hört